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Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen
Eine kleine Geschichte der Sensenfabrik H. P. Kuhlmann Söhne

 

Die Ausgangssituation zum Bau des Freudenthaler Hammers versprach eine positive Entwicklung. Der Platz lag günstig zum damaligen Hauptstraßennetz, in der Nähe des Rheinhafens in Mülheim und später der Bahnhöfe der Eisenbahn. Diese Lage erleichterte die Versorgung der Fabrik mit den Rohstoffen Stahl und Kohle und bedeutete auch gute Verbindungen zu den künftigen Absatzmärkten. Alle Baustoffe - Bruchsteine, Sand, Lehm und Holz - standen in der nahen Umgebung zur Verfügung. Neben der Windkraft und der Muskelkraft von Mensch und Tier bot sich in der vorindustriellen Zeit vor allem die Wasserkraft als Antriebsenergie an.

 

 

Die Keimzelle der Sensenfabrik – ein Reckhammer

 

Im Jahr 1778 erhielt der Mülheimer Kaufmann Derick van Hees die landesherrliche Erlaubnis, bei dem Dorf Schlebusch einen Reckhammer zu errichten. Bald entstanden zwei Wohnhäuser, eine Scheune, ein Pferdestall, das Hammergebäude mit Stauteich, eine kleine Schmiede und ein Schleifereigebäude. Das ursprünglich nutzbare Gefälle von 1,85 Meter ermöglichte den Betrieb von mittelschlächtigen Wasserrädern. Das Hammerwerk produzierte überwiegend Rohstahlknüppel, die im Kleineisengewerbe des Bergischen Landes weiterverarbeitet wurden.

 

 

1815 bis 1835 – Caspar Lange

 

Um 1815 erwarb der Hagener Sensenfabrikant Caspar Lange den Rohstahlhammer. Er ließ das Hammergebäude und den Sammelteich erweitern, dazu ein zweites Hammergebäude sowie eine Frucht- und Ölmühle errichten. Zwei weitere Wasserräder versorgten das neue Werksgebäude und die Mühle mit Antriebskraft. Im Jahr 1819 wurden vier Arbeiter beschäftigt.

 

 

1835 bis 1865 – Henrich Peter und Franz Carl Kuhlmann

 

Im Jahr 1835 begann die Geschichte der Familie Kuhlmann im Schlebuscher "Freudenthal". 1837 übernahmen Henrich Peter Kuhlmann und sein Sohn Franz Carl offiziell den Betrieb. Zur Sicherung der Wasserkraftnutzung erfolgte jetzt schrittweise die Erweiterung des Grundbesitzes. Henrich Peter Kuhlmann starb im Jahr 1858. Sohn Carl erweiterte nun Villa und Arbeiterhaus. Die Mahlmühle wich 1865 einem neuen Produktionsgebäude. Schließlich standen 11 Schmiedehämmer zur Verfügung.

 

Die Eisenbahn begünstigte die weitere Entwicklung. 1843 war die Strecke zwischen Köln und Antwerpen, 1847 die zwischen Köln und Minden fertiggestellt worden. So konnte ein schneller Vertrieb geboten werden. Sensen und Sicheln aus dem Hause Kuhlmann genossen bald einen guten Ruf. Ein erstes Warenzeichen, die "Herz"-Marke, wurde seit 1859 in der Zeichenrolle des Königlichen Gewerbegerichts zu Solingen geführt.

 

 

1865 bis 1895 – H. P. Kuhlmann Söhne

 

1865 wurde die Firma mit dem Eintritt von Heinrich (I.) und Friedrich Kuhlmann in "H. P. Kuhlmann Söhne" umbenannt und in den folgenden Jahren die Fertigung in "Commissionen" von jeweils 200 Stück aufgenommen.

 

In den 1880er Jahren wuchsen die einzelnen Schmiedekotten zusammen, ein zentraler Schornstein wurde errichtet und schließlich die ersten Turbinen eingebaut. 1890 entstanden das "Contor- und Lagergebäude" sowie ein Kesselhaus mit Schornstein für eine Dampfmaschine. Der Betrieb expandierte und erreichte mit 76 Mitarbeitern im Jahr 1900 die größte Personalstärke.

 

 

1895 bis 1920 – ein geschlossenes Bauensemble

 

Um 1900 entstand durch Überbauung des Hofes zwischen Maschinen- und Kesselhaus ein durchgängiger Fabriktrakt. Das Kontorgebäude erhielt ein Obergeschoss.

 

Nach dem Tod von Friedrich Kuhlmann trat 1905 die Urenkelgeneration in das Unternehmen ein. Die Vettern Ludwig und Heinrich II. schlossen 1906 einen Einspeisevertrag mit dem "Bergischen Electrizitäts-Werk" in Solingen. Die Stromerzeugung entwickelte sich damit in folgenden Jahren zur zweiten wichtigen Einkommensquelle der Sensenfabrik. 1914 stellte das Unternehmen mehr als 200.000 Sensen, Sichten und Strohmesser her. Zwei neue Horizontalturbinen erforderten ab 1918 Veränderungen an der zentralen Transmission.

 

 

1920 bis 1987 – das heutige Erscheinungsbild entsteht

 

1920, nach dem Tode von Ludwig Kuhlmann, übernahmen Heinrich Kuhlmann III. und sein Schwager Hans Schäperclaus die Geschäftsführung der Firma. Nach Bestätigung der Wasserrechte im Jahr 1923 wurden Stauhöhe und Laufzeiten der Wasserkraftanlage neu geregelt. Die Erzeugung von Strom nahm nun durch einen unbeschränkten Nachtbetrieb weiter zu. Zusammen mit der Neugestaltung des Dhünn-Verlaufes in den Jahren 1927/28 – zum besseren Schutz der Gemeinde Schlebusch vor Hochwasser – vertiefte man den Untergraben und erreichte so das noch bestehende Nutzgefälle von 4,10 Meter. Ebenfalls 1927 wurde das Sheddach über der zentralen Schmiedehalle errichtet, Luft- oder Federhämmer ersetzten nunmehr die alten Schwanzhämmer.

 

Zum 100-jährigen Firmenjubiläum 1937 erfolgte die umfassende Modernisierung der Fassaden. Erste Sozialräume entstanden schließlich 1940. In den 1960er Jahren traten sukzessive Ölöfen an die Stelle der alten Kohleöfen. Die fünfte Turbinengeneration, eine Vertikalturbine mit Winkelgetriebe und Drehstromgenerator, nahm 1967 ihren Betrieb auf.

Im Jahr 1987 wurde die Produktion eingestellt, die Denkmalpflege der Stadt Leverkusen beauftragte ein Architekturbüro mit einem umfassenden Aufmaß der gesamten Anlage.
Im Jahr 1991 gründete sich schließlich der Förderverein Freudenthaler Sensenhammer e. V. - "Neues Leben in alten Mauern."



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