![]() |
Rosemarie Bruchhausen
Skulpturen
"In Stein gehauen - aus Ton geformt"
Industriemuseum Freudenthaler Sensenhammer
27.März - 05. Juni 2011
"Als ich Frau Bruchhausen zum ersten Mal in meiner Eigenschaft als Kurator der Kleinen Rathausgalerie Odenthal traf, fragte sie mich, an wen sie sich wenden müsse, um in Odenthal auszustellen. Meine kurze Antwort war: "An mich." Dies überraschte sie und mehr noch meine Nachfrage, was denn ihre Profession sei. In der Folge begründeten Gespräche eine Zusammenarbeit und Wertschätzung, die im Jahr 2007 zu einer ersten Einzelausstellung ihrer Tuff-Steine in Odenthal führte.
Steinerne Skulpturen hatte ich in all der Zeit noch nicht gezeigt. Und ich merkte bald, dass hier eine Neugierige am Werk war, eine ´homo faber´, die sich in die Auseinandersetzung mit dem Material Stein begeben hatte. Frau Bruchhausen suchte diesen Werkstoff zu ergründen, zu erforschen. Sie war dabei herauszufinden, was der Stein im Einzelnen zuließ, was er erlaubte oder wie er sich dem Gestaltungswillen der Bildnerin auch verweigern konnte. (...) Einen elementaren Teil dieser Erforschungen, 25 Skulpturen, stellt die Künstlerin hier im Leverkusener Industriemuseum aus.
![]() |
Es sind Arbeiten aus Ton/Keramik, Tuffstein, Basaltlava, Sandstein und Diabas, einem sehr harten Gestein, hier ausgestellt. Befassen wir uns zuerst mit den Arbeiten aus Tuff. Sie bilden zahlenmäßig die größte Gruppe. Die Rohlinge wurden gemäß einer bildnerischen Idee im Steinbruch Weibern ausgesucht und schalig mit den dazu geeigneten Werkzeugen abgetragen und in die gewünschte Form gebracht - vorausgesetzt, dass der Stein es zuließ. Nicht selten verweigert sich das Material aber dem künstlerischen Willen. Dann läuft der Gestaltungsprozess anders ab. Es sind Schichtungen, Körnung, Einschlüsse, Härtegrade, die oft zwingend ein Überdenken der Form verlangen. Die Bildhauerin tritt in eine kommunikative Haltung zu ihrem Material. Und das fertige Bildwerk hat sich dann mehr oder weniger weit von der anfänglichen Grundvorstellung entfernt.
![]() |
Tuffstein ist ein verfestigtes äolisches Sediment, mineralisches Auswurfmaterial eines Vulkans, Asche, die, je näher sie sich am Kraterrand ablagert, grobkörnig ist. Leichtere Aschen werden vom Wind weiter fortgetragen und bilden als Gestein eine feinere homogenere, aber geschichtete Struktur. Der Tuff zwingt den Steinmetz zu klaren, großzügig angelegten Formen. (...) Nicht umsonst ist der leichte, atmungsaktive Tuffstein zu allen Zeiten ein ein beliebtes Verblendmaterial. Plan geschnitten wurde er an den Fassaden repräsentativer Bauten auch im römischen und mittelalterlichen Köln verbaut. Auch Rosemarie Bruchhausen gibt ihren Skulpturen gerne eine dominante Fassade. Alle Arbeiten sind zwar als Körper im Raum dreidimensional angelegt und werden auf der Basis von Kubus, Säule, Kegel oder Kugel entwickelt, aber die Bildnerin kokettiert mit streng geometrisch gestalteten Schauseiten. Klare Ausformungen lassen mich an das bildhauerische und das Zeichenwerk Amadeo Modiglianis denken, hier besonders an seine Karyatiden. (...)
Walter Jansen, Rede zur Ausstellungseröffnung am 27.03.2011 (Auszug)