Eine Rechnung von H.P. Kuhlmann Söhne von 1905

Erfahren

Wofür braucht man eigentlich Sensen? Wie wurden sie früher hergestellt? Warum ist der Freudenthaler Sensenhammer nicht mehr in Betrieb und wie viele Arbeitsschritte wurden benötigt, um die berühmten HERZ-Sensen der Firma HP Kuhlmann Söhne herzustellen? Welche Geschichte steht hinter der Fabrik an der Dhünn, wie hat sie sich entwickelt?

Antworten auf diese  Fragen – und vieles mehr – findet man im Industriemuseum Freudenthaler Sensenhammer. In einer modern gestalteten Dauerausstellung und natürlich in der historischen Schmiede mit ihren Maschinen und dem Geruch nach Feuer, Stahl und harter Arbeit!

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Museum

Nach der Schließung der Sensenfabrik im Jahr 1987 konnte der Förderverein Freudenthaler Sensenhammer e.V. 2005 das Industriemuseum Freudenthaler Sensenhammer eröffnen. Das Besondere: Die frühindustrielle Anlage hat sich in einem beeindruckend guten Zustand erhalten – mit all ihren Fertigungsräumen, Maschinen und Werkzeugen. Das Fabrikensemble ist damit selbst das größte „Exponat“ des Museums. Dazu sind viele Maschinen funktionsfähig und werden regelmäßig in Betrieb genommen. Die Fertigung von Sensen, die historischen Techniken und die Arbeit von damals können direkt am historischen Schauplatz nachvollzogen werden.

Das Museum lässt sich über einen spannenden Rundgang erkunden. Die Dauerausstellung im Obergeschoss bietet im ersten Raum einen Einblick in die Kulturgeschichte von Sensen und Sicheln. Ein weiterer Raum widmet sich den „Akteuren“ der Sensenfabrik:  

Hier erfährt man, welche Aufgaben der Unternehmer der Firma Kuhlmann hatte und was ein  „Recker“ oder ein „Breiter“ während seiner Arbeit gemacht haben. Es wird auch erklärt, warum die Fabrik gerade im Freudenthal entstand und wie sich die Anlage über die Jahre entwickelte. 

Eine Treppe führt in die Produktionshallen der Sensenfabrik. Hier lassen sich die verschiedenen Arbeitsschritte vom Rohmaterial bis hin zur fertigen Sense an den historischen Maschinen nachvollziehen.

Die frühindustrielle Arbeitsweise, die Nutzung der Wasserkraft über Transmissionen und Arbeitsgänge wie „Härten“, „Schleifen“ und „Polieren“ lassen sich authentisch nachvollziehen und machen den Rundgang durch die Räumlichkeiten zu einem besonderen Erlebnis.

Im Eingangsbereich des Museums befinden sich eine Galerie für Ausstellungen und ein Museumsshop – perfekt, um den Besuch ausklingen zu lassen.

Ein Blick in einen Teil der Dauerausstellung

Dauerausstellung

Sensen und Sicheln

Sensen und Sicheln sind traditionelle landwirtschaftliche Werkzeuge mit einer langen Geschichte. Die Sichel, bereits in der Jungsteinzeit genutzt, diente präzisen Schnitten, während die später entwickelte Sense ab dem Mittelalter großflächiges Mähen ermöglichte. Beide waren essenziell für die Getreide- und Grasernten.

Je nach Region und Einsatzzweck existieren verschiedene Varianten. Der Umgang mit ihnen erfordert Geschick: Die Sense wird in einer schwungvollen Bewegung geführt, während die Sichel kurze, kontrollierte Schnitte ermöglicht.

Neben ihrer praktischen Bedeutung spielen diese Werkzeuge auch eine kulturelle Rolle – von der Symbolik des Sensenmannes bis hin zu idealisierten bäuerlichen Darstellungen in der Kunst.

Durch die Mechanisierung der Landwirtschaft wurden sie weitgehend von Maschinen ersetzt, erleben jedoch in der biologischen Landwirtschaft und Landschaftspflege eine gewisse Renaissance.

Sensenproduktion der Firma H. P. Kuhlmann Söhne

Im zweiten Raum steht die Geschichte der Firma H. P. Kuhlmann Söhne und der Sensenproduktion im Mittelpunkt. Hier werden die verschiedenen Akteure der Sensenschmiede vorgestellt – vom Unternehmer bis hin zum Schmied und sogar eine Schleiferin.

Erfahre an interaktiven Stationen, wie beispielsweise ein Reckers am Lufthammer im Akkord gearbeitet hat. Oder erfasse die Tätigkeiten des Unternehmers, der die Fabrik lenkte und lerne die Geschichte von Maria kennen, die als Schleiferin die einzige Frau im Sensenhammer war.

Die Ausstellung zeigt zudem, wie aus einem kleinen Hammerwerk über die Jahre eine ganze Fabrik entstand. Ein Modell des Freudenthals zeigt die Fabrik und die umliegenden Häuser.

Innenansicht Schmiedehalle

Historische Schmiede

Es riecht nach Feuer und Stahl! Auch ohne laufende Vorführungen strahlt die historische Schmiede des Freudenthaler Sensenhammers ihren frühindustriellen Charakter aus. Dieser authentische Ort lässt die harte, körperliche Arbeit der Schmiede spürbar werden.

Die Schmiede gliedert sich in die Reckerei und die große Schmiedehalle. Hier reihen sich zahlreiche Schmiedehämmer aneinander, von denen jeder für einen spezifischen Arbeitsschritt in der Herstellung von Sensen eingesetzt wurde. An den Wänden sind die Transmissionen sichtbar, die die Energie von den Turbinen auf die Maschinen übertrugen. Während die Schmiedeessen früher mit Kohle betrieben wurden, erfolgt der Betrieb heute mit Öl. Die jüngsten Maschinen, sogenannte Lufthämmer, stammen aus den 1960er-Jahren, während der älteste erhaltene Schwanzhammer mindestens 60 Jahre älter ist.

Im Freudenthal wurden Sensen und Sicheln vollständig vor Ort gefertigt. Aus angelieferten Stahlstangen entstanden durch zahlreiche Arbeitsschritte die fertigen Werkzeuge. Neben der Schmiedehalle sind auch nahezu alle weiteren Fabrikräume und Arbeitsplätze bis heute erhalten geblieben. Besucher können die Härterei, die Meisterbude, die Richterei, die Schleiferei und die Poliererei besichtigen. Lediglich die ursprüngliche Schlosserei, einst für die Wartung und Reparatur der Maschinen zuständig, ist nicht mehr im Originalzustand erhalten. Sie wurde umgestaltet und dient heute als Veranstaltungsraum für Workshops und Seminare.

Postkarte Freudenthaler Sensenhammer

Historische Entwicklung

Der Freudenthaler Sensenhammer sah natürlich nicht immer so aus wie heute.

Von Anfang an war seine Entwicklung jedoch eng mit der Nutzung der Wasserkraft der Dhünn verbunden. Bereits 1778 wurde der Standort erstmals urkundlich erwähnt.

Aus einem kleinen wassergetriebenen Hammerwerk entwickelte sich im Laufe der Zeit mit der Firma Kuhlmann Söhne ein bedeutender Industriebetrieb. In seinen besten Zeiten wurden hier jährlich bis zu 200.000 Sensen gefertigt.

Über Generationen hinweg wurde der Sensenhammer immer wieder erweitert, umgebaut und technisch modernisiert. Diese Veränderungen prägten das Erscheinungsbild und die Arbeitsweise des Betriebs..

Der heutige Zustand des Museums orientiert sich weitgehend am Stand der Technik der 1960er Jahre und vermittelt einen authentischen Eindruck davon, wie hier früher gearbeitet wurde.

Bild einer alten Fabrik mit Schornsteinen

Netzwerke und Industrierouten

Das Industriemuseum Freudenthaler Sensenhammer ist Teil der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH – European Route of Industrial Heritage), einem Netzwerk der bedeutendsten Standorte des industriellen Erbes in Europa. Der Sensenhammer wird hier als ein wichtiger Standort aufgeführt und trägt zur Vermittlung der europäischen Industriekultur bei. Weitere Informationen sind unter www.erih.de verfügbar.

Der Sensenhammer ist außerdem Mitglied im Netzwerk Industriekultur Bergisches Land e.V., das sich für die Förderung des Bewusstseins für die facettenreiche Industriekulturlandschaft im Bergischen Land einsetzt. Ziel ist es, die industriekulturellen und touristischen Potenziale der Region stärker hervorzuheben. 2023 fand das jährliche Kolloquium des Vereins in der Schlosserei des Sensenhammers statt.

Zusätzlich pflegt der Sensenhammer eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Verein Rheinische Industriekultur und dem Opladener Geschichtsverein von 1979 Leverkusen, dem Bergischen Geschichtsverein, Abteilung Leverkusen-Niederwupper und der Stadtgeschichtlichen Vereinigung Leverkusen. Gemeinsam wurde die Industriekulturroute Leverkusen entwickelt, deren Schlebuscher Teil 2023 in der Galerie des Museums ausgestellt wurde.

Darüber hinaus ist der Förderverein Freudenthaler Sensenhammer institutionelles Mitglied im Deutschen Museumsbund, der die Interessen von Museen in Deutschland vertritt und fördert.

Und natürlich sind wir in Leverkusen vernetzt mit Leverkusen KULTUR, dem Verein „Wir für Leverkusen“, Schloss Morsbroich, Naturgut Ophoven, der VHS, dem Kunstverein Leverkusen und der AG Leverkusener Künstler und realisieren gemeinsame Projekte.

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